Der Börsengang eines Unternehmens ist für viele Anleger ein großes Ereignis. Neue Aktien, große Namen, hohe Erwartungen. Doch was bleibt vom ersten Hype? Joel Schneider, stellvertretender Leiter des Portfolio-Managements für Nordamerika bei Dimensional, bringt es auf den Punkt: Der Glanz des IPOs verblasst oft schneller als gedacht. Besonders Indexfonds-Anleger bekommen das zu spüren – sie steigen meist erst spät ein, wenn die Musik schon leiser wird.
Der IPO-Pop: Kurze Freude, langer Alltag
Wenn ein Unternehmen neu an die Börse kommt, sorgt das oft für Schlagzeilen. Die Kurse steigen am ersten Handelstag, Medien berichten vom „IPO-Pop“. Doch Schneider verweist auf die nüchterne Bilanz: Historisch gesehen bleiben die meisten neuen Aktien nach dem Börsengang hinter dem breiten Markt zurück. Die erste Euphorie ist schnell vorbei. Dann zählt, was das Unternehmen wirklich leistet – nicht die Show am ersten Tag.
Indexfonds: Späte Gäste beim Börsengang
Viele Anleger setzen auf Indexfonds, etwa ETFs auf den MSCI World oder den S&P 500. Sie erwarten, dass sie damit automatisch an allen wichtigen Entwicklungen am Markt teilhaben. Doch das System hat einen Haken: Neue Aktien werden nicht sofort in die großen Indizes aufgenommen. Indexanbieter wie MSCI oder S&P entscheiden selbst, wann ein Unternehmen in den Index kommt. Das kann Monate dauern – oder auch gar nicht passieren, wenn das Unternehmen die Kriterien nicht erfüllt.
Für Indexfonds-Anleger bedeutet das: Sie sind beim IPO-Pop nicht dabei. Erst wenn das Unternehmen in den Index aufgenommen wird, kaufen die Fonds die Aktie. Oft ist der erste Kurssprung dann schon vorbei. Das Timing liegt nicht in der Hand der Anleger, sondern bei den Komitees der Indexanbieter. Wer passiv investiert, muss diese Verzögerung in Kauf nehmen.
Substanz statt Spektakel: Worauf es wirklich ankommt
Dimensional rät Anlegern, sich nicht vom Spektakel eines Börsengangs blenden zu lassen. Die entscheidenden Fragen lauten: Wie solide ist das Geschäftsmodell? Wie sieht die Bilanz aus? Und zu welchem Preis bekommt man die Aktie? Wer nur auf die Story und den Hype setzt, läuft Gefahr, zu teuer einzusteigen. Gerade bei IPOs ist der Einstiegspreis oft hoch – danach folgt nicht selten die Ernüchterung.
Langfristig zählt, was das Unternehmen tatsächlich erwirtschaftet. Anleger sollten sich nicht auf die Entscheidungen von Indexkomitees verlassen, sondern selbst prüfen, ob ein Unternehmen ins eigene Depot passt. Wer auf Qualität und Bewertung achtet, ist besser aufgestellt als derjenige, der blind jeder Mode folgt.
Data by Eulerpool Research Systems Pte. Ltd.
Meinung
Wer sein Geld anlegt, sollte selbst nachrechnen und auf Substanz achten. IPOs sind selten ein Selbstläufer. Indexfonds bieten breite Streuung, aber beim Börsengang sind sie oft zu spät dran. Wer investieren will, sollte nicht auf das Timing von Komitees warten, sondern selbst entscheiden, welche Unternehmen ins eigene Depot gehören.