Franklin-Templeton-CEO Jenny Johnson hat auf dem Milken Institute Asia Summit 2026 ein klares Signal an Anleger gesendet: Künstliche Intelligenz (KI) ist kein vorübergehender Trend, sondern ein Investmentthema mit langfristiger Bedeutung. Für private Anleger, Sparer und Vermögensbesitzer in Deutschland stellt sich damit die Frage, wie sie an diesem Megatrend teilhaben können – und worauf es bei der Auswahl von KI-Investments ankommt.
KI als struktureller Wachstumstreiber
Die Einschätzung von Johnson basiert auf der Annahme, dass KI die Produktivität in Unternehmen nachhaltig steigern kann. KI-Technologien ermöglichen es Firmen, Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten und Kosten über verschiedene Branchen hinweg zu senken. Das führt dazu, dass Unternehmen, die KI erfolgreich einsetzen, ihre Gewinne steigern und sich Wettbewerbsvorteile sichern können. Für Anleger ist entscheidend, dass diese Effekte nicht von kurzfristigen Marktzyklen abhängen, sondern auf einer tiefgreifenden Veränderung der Wertschöpfungsketten beruhen.
Die strukturelle Wirkung von KI unterscheidet sich damit von vielen anderen Technologietrends, die oft von spekulativer Begeisterung getrieben werden. Während kurzfristige Hypes kommen und gehen, bleibt die Fähigkeit, durch Innovation und Effizienzsteigerung Mehrwert zu schaffen, ein zentrales Kriterium für nachhaltigen Vermögensaufbau. Die Rolle des Staates sieht Johnson dabei nicht als treibende Kraft: Produktivitätsgewinne entstehen durch unternehmerische Initiative, nicht durch Regulierung oder steuerliche Anreize.
Worauf Anleger bei KI-Investments achten sollten
Für Investoren bedeutet das: Nicht jedes Unternehmen, das sich das Label „KI“ gibt, wird automatisch profitieren. Entscheidend ist, ob eine Firma tatsächlich in der Lage ist, KI-Technologien zu entwickeln, einzusetzen und daraus wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen. Anleger sollten daher genau prüfen, wie Unternehmen KI in ihre Geschäftsmodelle integrieren und ob diese Initiativen bereits zu messbaren Ergebnissen führen.
Ein weiteres Kriterium ist die Monetarisierung von KI-Fähigkeiten. Firmen, die es schaffen, KI nicht nur als internes Werkzeug, sondern auch als Produkt oder Dienstleistung zu vermarkten, können zusätzliche Einnahmequellen erschließen. Für Anleger ist es wichtig, die Innovationskraft und die Umsetzungsstärke eines Unternehmens zu bewerten, bevor sie investieren. Politische Debatten oder regulatorische Vorgaben sollten dabei nicht im Vordergrund stehen, da sie den Fortschritt eher bremsen als fördern können.
Chinas Entscheidung für aktive ETFs: Ein Signal an die Märkte
Parallel zu den Aussagen von Johnson hat China einen bemerkenswerten Schritt vollzogen: Die Volksrepublik hat aktive ETFs zugelassen. Damit wird ein neues Anlageinstrument geschaffen, das es aktiven Managern ermöglicht, gezielt auf einzelne Aktien zu setzen und so potenziell höhere Renditen zu erzielen – vorausgesetzt, sie übertreffen nach Gebühren die etablierten Indizes wie den CSI 300 oder den MSCI China.
Chinas Entscheidung ist ein deutliches Zeichen für die Bereitschaft, Marktmechanismen eine größere Rolle bei der Bewertung von Unternehmen zu geben. Bisher war der chinesische Kapitalmarkt stark von staatlicher Steuerung geprägt. Mit der Zulassung aktiver ETFs wird nun ein Umfeld geschaffen, in dem Leistung und Auswahl stärker zählen. Für Anleger außerhalb Chinas ist das eine Erinnerung daran, dass große Volkswirtschaften in der Lage sind, mit regulatorischen Entscheidungen ganze Produktkategorien zu schaffen oder zu verändern.
Der Test für aktive Manager: Können sie den Markt schlagen?
Der eigentliche Test für die neuen aktiven ETFs in China wird die Performance sein. Gelingt es den Managern, nach Abzug der Gebühren bessere Ergebnisse als die großen Indizes zu erzielen, könnten erhebliche Mittel aus anderen Anlageformen – wie Immobilien oder Wealth-Management-Produkten – in diese ETFs umgeschichtet werden. Bleibt der Erfolg aus, droht dem Markt für aktive ETFs ein rasches Ende.
Für Anleger bedeutet das, dass die Auswahl des richtigen Produkts entscheidend ist. Nicht jeder aktive ETF wird automatisch besser abschneiden als ein passiver Indexfonds. Die Herausforderung für aktive Manager besteht darin, durch gezielte Titelauswahl und Marktkenntnis einen echten Mehrwert zu schaffen. Nur dann sind die höheren Gebühren im Vergleich zu passiven Produkten gerechtfertigt.
Marktdisziplin und Kapitalallokation
Chinas Schritt hin zu mehr Marktdisziplin ist auch ein Signal an Kapitalallokatoren weltweit. Der Wettbewerb zwischen aktiven und passiven Anlagestrategien wird verschärft. Kapital wird dort hingelenkt, wo echte Leistung erbracht wird. Mittelmäßigkeit wird bestraft, da Anleger zunehmend auf die tatsächliche Wertschöpfung achten.
Für Unternehmen, die KI erfolgreich einsetzen, bedeutet das: Sie müssen ihre Innovationskraft und Effizienzsteigerungen unter Beweis stellen, um Kapital anzuziehen. Für Anleger wiederum ist es wichtig, nicht nur auf das Etikett „KI“ zu achten, sondern die Substanz der jeweiligen Investments zu prüfen. Die Entwicklung in China zeigt, dass Märkte flexibel auf neue Rahmenbedingungen reagieren können – und dass Regulierung allein keine Überrenditen garantiert.
Szenarien für KI-Investments und aktive ETFs
Für Anleger eröffnen sich verschiedene Szenarien. Im besten Fall gelingt es Unternehmen, durch den Einsatz von KI ihre Produktivität nachhaltig zu steigern und neue Märkte zu erschließen. In diesem Fall profitieren sowohl die Unternehmen als auch deren Aktionäre von dauerhaften Gewinnsteigerungen. Aktive Manager, die solche Firmen frühzeitig identifizieren, könnten ihren Anlegern überdurchschnittliche Renditen bieten.
Im weniger günstigen Szenario erweisen sich viele KI-Initiativen als wenig profitabel oder scheitern an der Umsetzung. In diesem Fall werden nur wenige Unternehmen und Fonds von dem Trend profitieren, während andere hinter den Erwartungen zurückbleiben. Für aktive ETFs in China gilt: Gelingt es den Managern nicht, den Markt zu schlagen, wird das Kapital in andere Anlageklassen abwandern. Die Erfahrung zeigt, dass sich langfristig nur diejenigen Produkte durchsetzen, die echten Mehrwert liefern.
Prüfschritte für Anleger: So gehen Sie vor
Für private Anleger in Deutschland empfiehlt es sich, bei KI-Investments systematisch vorzugehen. Zunächst sollte geprüft werden, ob ein Fonds oder ETF tatsächlich in Unternehmen investiert, die KI als Kern ihrer Wertschöpfung nutzen. Ein Blick in die Zusammensetzung des Portfolios und die Anlagestrategie hilft, Scheininnovationen zu vermeiden.
Weiterhin ist es ratsam, die Kostenstruktur zu analysieren. Aktive Fonds und ETFs verlangen in der Regel höhere Gebühren als passive Produkte. Anleger sollten kritisch hinterfragen, ob die versprochene Mehrrendite realistisch ist und ob der Manager eine überzeugende Strategie zur Titelauswahl vorweisen kann. Auch die Transparenz der Berichterstattung und die Nachvollziehbarkeit der Investmententscheidungen sind wichtige Kriterien.
Ein dritter Prüfschritt betrifft die regulatorischen Rahmenbedingungen. Gerade bei Investments in China sollten Anleger beachten, dass politische Eingriffe jederzeit möglich sind. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der chinesische Staat bestimmte Sektoren oder Produkte schnell regulieren oder sogar verbieten kann. Wer in chinesische aktive ETFs investiert, sollte sich dieses Risikos bewusst sein und gegebenenfalls eine breite Diversifikation anstreben.
Was das für Anleger in Deutschland heißt
Für deutsche Anleger ergibt sich aus den aktuellen Entwicklungen eine klare Handlungsanweisung: Wer vom Megatrend KI profitieren möchte, sollte auf Unternehmen und Fonds setzen, die nachweislich in KI-Infrastruktur und -Anwendungen investieren und diese erfolgreich monetarisieren. Politische Diskussionen oder kurzfristige Modethemen sollten nicht das Hauptkriterium für eine Investmententscheidung sein.
Gleichzeitig gilt es, die Kosten im Blick zu behalten und die Auswahl der Produkte sorgfältig zu treffen. Nicht jeder ETF oder Fonds, der sich auf KI bezieht, bietet tatsächlich Zugang zu den innovativsten Unternehmen. Eine gründliche Analyse der Anlagestrategie, der Zusammensetzung und der bisherigen Ergebnisse ist unerlässlich. Bei Investments in China ist zudem besondere Vorsicht geboten, da regulatorische Risiken bestehen und die Entwicklung des Marktes schwer vorhersehbar ist.
Meinung
Die jüngsten Entwicklungen zeigen: Märkte funktionieren am besten, wenn sie Wettbewerb und Innovation zulassen. KI-Investments bieten Chancen, aber nur für Anleger, die auf Substanz und echte Wertschöpfung setzen. Der Staat sollte als Schiedsrichter agieren, nicht als Mitspieler. Für Anleger bleibt Disziplin gefragt: Wer sich nicht von Hypes leiten lässt, sondern auf solide Unternehmensdaten und nachhaltige Innovation achtet, wird langfristig profitieren.